Giovanni Boccaccio:

Das Dekameron
Originaltitel: Decamerone

Anläßlich der verheerenden Pestepedemie 1348 flieht eine Gruppe junger Leute aus der Stadt Florenz auf einen etwa zwei Meilen entfernten Landsitz : 7 Frauen – Pampinea, Fiammetta, Filomena, Emilia, Lauretta, Neifile, Elisa – und 3 Männer – Panfilo, Filostrato, Dioneo.

Um den Tagesablauf und die notwendigen Arbeiten zu organisieren, übernimmt eine Person das Regiment für einen Tag (und bestimmt die Nachfolge für den nächsten Tag). Zur Regentschaft gehört auch die Vorgabe eines Themas für die Geschichten, die sich die jungen Leute jeden Nachmittag zum Zeitvertreib erzählen; eine Geschichte pro Person und Tag, ausgenommen Freitag und Samstag, die jeweils erzählfrei bleiben.

Falsche Beichten, angebliche Frömmigkeit, Judentum, Christentum, Islam, (nicht vorhandene) Keuschheit von Mönchen, Geiz, Raub, Betrug, Intrigen, Herrscher, Erbschaft, Begierden, Leidenschaft, Gastfreundschaft, … und natürlich: die Liebe! – dies alles sind die Themen der 10 mal 10 Geschichten.

Denn nach 10 Erzähltagen – der Titel Dekameron ist zusammengesetzt aus den griechischen Worten "Deka" (Zehn) und "Hemera" (Tag) – trennen sich Panfilo, Filostrato und Dioneo von den jungen Damen, die ihrerseits heimkehrten.

Vielleicht werden einige unter euch sein, die behaupten, ich habe beim Niederschreiben dieser Erzählungen mich allzu großer Freiheit bedient, wenn ich die Frauen Dinge sagen und noch viel öfter anhören ließ, die gesitteten Frauen weder zu sagen, noch zu hören recht ansteht. Dies leugne ich jedoch, weil es nichts so Unehrbares gibt, daß es, mit ehrbaren Worten vorgetragen, für jemand ungeziemend sei; … — aus dem Schlusswort des Verfassers (Ü: Karl Witte)

Mit seinem um 1350 erschienen Hauptwerk Dekameron schuf Giovanni di Boccaccio nicht nur den Typus der Novellensammlung, sondern liefert auch heute noch dem Leser einen unterhalsamen Einblick in die Welt Italiens zur Zeit der Frührenaissance.

Aufbau & Themen

Mittwoch, 1. Tag unter dem Regiment von Pampinea
  Thema: freie Erzählungen – Beste Geschichte
Donnerstag, 2. Tag unter dem Regiment von Filomena
  Thema: Erzählungen von Personen, die nach dem Kampf mit manchen Widerwärtigkeiten wider alles Hoffen ein glückliches Ziel erreichen. – Beste Geschichte
Sonntag, 3. Tag unter dem Regiment von Neifile (Umzug der Gesellschaft)
  Thema: Erzählungen von Personen, die durch Scharfsinn Verlangtes erwarben oder Verlorenes wiedergewannen. – Beste Geschichte

Ende des 1. Bandes
  Rechtfertigungen Boccaccios für den ersten Band.
Montag, 4. Tag unter dem Regiment von Philostrato
  Thema: Erzählungen von Personen, deren Liebe einen unglücklichen Ausgang fand. – Beste Geschichte
Dienstag, 5. Tag unter dem Regiment von Fiametta
  Thema: Erzählungen von Glücksfällen, die nach Ungemach und Kummer Liebende betroffen haben. – Beste Geschichte
Mittwoch, 6. Tag unter dem Regiment von Elisa
  Thema: Erzählungen von Menschen, die durch geschickte Worte Neckereien abgelehnt haben, oder durch sofortige Erwiderung und schnellen Entschluß einem Verluste, einer Gefahr oder Kränkung entgangen sind. – Beste Geschichte
Donnerstag, 7. Tag unter dem Regiment von Dioneo
  Thema: Erzählungen von Streichen, die, sei es aus Liebe oder um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, Frauen ihren Männern gespielt haben, ob diese es nun merkten oder nicht. – Beste Geschichte

Ende des zweiten Bandes
Sonntag, 8. Tag unter dem Regiment von Lauretta
  Thema: Erzählungen von Possen, die alle Tage eine Frau dem Manne, oder der Mann der Frau, oder auch ein Mann dem anderen spielt. – Beste Geschichte
Montag, 9. Tag unter dem Regiment von Emilia
  Thema: freie Erzählungen – Beste Geschichte
Dienstag, 10. Tag unter dem Regiment von Panfilo
  Thema: Erzählungen von Menschen, die in Liebesangelegenheiten oder anderen Dingen Großmut oder Edelsinn bewährt haben. – Beste Geschichte
  Schlusswort des Verfassers

Die besten Geschichten aus dem Dekameron:

1. Tag – Beste Geschichte (von Neifile):
Der Jude Abraham geht auf Antrieb des Christen Jeannot von Sevigne nach Rom und kehrt, als er die Schlechtigkeit der Geistlichen dort kennengelernt hat, nach Paris zurück, um Christ zu werden, weil er beeindruckt ist, dass die Christenheit trotz des Vatikans so gedeiht.

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2. Tag – Beste Geschichte (von Fiametta):
Andreuccio von Perugia kommt nach Neapel, um Pferde zu kaufen, und wird von einer Sizilianerin, die sich als seine Halbschwester ausgibt, um an sein Geld zu kommen, beherbergt, stürzt mit einem Bodenbrett vom Klo in die darunterliegende Gasse, wird ausgesperrt, von Grabräubern aufgenommen, in einem Brunnen gewaschen, dabei von Häschern gestört, die er durch sein überraschendes Auftauchen aus dem Brunnen unwissentlich in die Flucht jagt, wird von den Grabräubern (mitsamt einem Rubinring) im geplünderten Grab eingesperrt, von anderen Grabräubern befreit, die bei seinem Anblick davonlaufen, und kehrt mit seiner teuren Beute in die Heimat zurück.

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3. Tag – Beste Geschichte (von Lauretta):
Der Abt einer Bendiktinerabtei verspricht der Frau des Ferondo, der zwar im Allgemeinen ein höchst dümmlicher Mensch ist, aber seine schöne Frau höchst sorgsam und eifersüchtig zu hüten weiß, ihren Mann von der Eifersucht zu befreien. Mit einem präparierten Trank schläfert er Ferondo ein und erklärt den Scheintoten für tot. Während sich der Abt mit der nunmehrigen Witwe vergnügt, züchtigt einer seiner Mitbrüder Ferondo im Klostergefängnis für seine Eifersucht und gaukelt ihm vor, im Fegefeuer zu sein. Erst als die Frau schwanger wird, hat "Gott" ein Einsehen mit dem geläuterten Ferondo und "gibt ihm das Leben zurück".

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4. Tag – Beste Geschichte (von Dioneo):
Ruggieri da Jeroli, wegen seiner Schändlichkeiten in ganz Salerno berühmt, trinkt beim Warten auf seine Geliebte, der unbefriedigten Gattin des Wundarztes Mazzeo della Montagna, ein als Betäubungmittel präpariertes Wasser und wird von ihr in scheintotem Zustand aufgefunden und für tot gehalten. Die Frau beseitigt seinen Körper mithilfe ihrer Dienerin in einem Kasten, der vor einer Tischlerei steht, und der balddarauf von zwei knausrigen Brüdern – Wucherer von Beruf – gestohlen und in deren Haus gebracht wird. Ruggieri erwacht, kennt sich nicht aus. Der Lärm, den die Kiste beim Umfallen macht, weckt die Bewohner und der Verwirrte wird als Dieb gefaßt. Die Dienerin spricht beim Richter vor, erzählt die Geschichte – mit der Änderung, dass sie und nicht ihre Herrin – ein Verhältnis mit Ruggieri habe, und rettet ihn vor dem Galgen. Die Wucherer werden bestraft.

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5. Tag – Beste Geschichte (von Fiametta):
Federigo di Messer Filippo Alberighi findet trotz größtem finanziellen Aufwand kein Gehör bei der glücklichverheirateten Monna Giovanna. Völlig ruiniert verlässt er Florenz und zieht aufs Land. Bald darauf stirbt der Ehemann Monna Giovannas und sie zieht mit ihrem kleinen Sohn aufs Landgut, wo sich der Sohn für Federigos edlen Falken – dem einzigen Schatz, der Federigo geblieben ist – begeistert. Als das Kind schwer erkrankt, glaubt es nur durch den Besitz des Falken zu gesunden. Trotz größter Bedenken – sie kennt die Wichtigkeit des Falken für Federigo – lässt sich die Mutter dazubewegen, Federigo um den Falken zu bitten. Dazu läd sie sich bei diesem zum Essen einladen. In seiner Verzweiflung über die Armut, will Federigo ihr das Beste zum Essen bieten, was er hat, und serviert den Falken. Als sie ihm danach ihre Bitte vorträgt, erklärt er ihr unter Tränen, ihren Wunsch nicht erfüllen zu können, so sehr er auch wolle, der Falke ist nunmal gegessen. Das Kind stirbt tatsächlich und die Alleinerbin des riesigen Vermögens, Monna Giovanna, wird von den Brüdern gedrängt, wieder zu heiraten. Da besinnt sie sich auf den Großmut und die Aufopferung Federigos und besteht darauf, ihn zu heiraten. Und so kommt’s.

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6. Tag – Beste Geschichte (von Neifile):
Aus Liebe zur Hure Donna Brunetta, schenkt der Koch Chichibio ihr eine Keule des zubereiteten Kranichs, serviert den Rest seinem Herrn Currado Giafigliazzi, der über die fehlende Keule empört ist. In seiner Panik behauptet Chichibio, Kraniche hätten nur einen Fuß. Currado glaubt das freilich nicht und fordert den Koch auf, sich am nächsten Morgen gemeinsam mit ihm die Kraniche in natura anzusehen, und droht ihm den härtesten Strafen für den Fall, daß die Kraniche zwei Füße haben. So geschieht’s und Chichibio zeigt seinem Herrn Kraniche, die nach Vogelart auf einem Bein schlafen. Currado schreckt die Kraniche mit "Oh,oh!" auf und beweist so seine Behauptung. Chichibio entgegnet darauf, daß Currado am Vorabend aber nicht "Oh,oh." gerufen haben, sonst hätte der servierte Kranich das andere Bein ebenfalls herausgestreckt. Amüsiert über diese Ausrede vergibt ihm Currado.

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7. Tag – Beste Geschichte (von Fiametta):
Von maßloser Eifersucht gequält hält ein Kaufmann in Rimini seine Frau wie eine Gefangene. Zum Trotz will sie sich einen Liebhaber verschaffen und nimmt insgeheim durch einen kleinen Mauerspalt Kontakt zum schönen, jungen Nachbarn auf und überlegt, wie sie zusammenkommen könnten. Zu Weihnachten gibt sie vor, die Beichte ablegen zu wollen. Ihr eifersüchtiger Gatte will natürlich erfahren, was seine Frau zu beichten habe, bespricht sich mit dem Pfarrer und gibt sich in der Kirche als Geistlicher aus. Die Frau erkennt ihn und legt eine falsche Beichte ab: Ein Priester käme jede Nacht zu ihr, keine Türe bliebe vor ihm verschlossen und er legte sich zu ihr ins Bett. Daraufhin bleibt der Mann jede Nacht wach und hütet das Haustor, während der Nachbar übers Dach zur Frau kommt. Als der Ehemann seine Eifersucht nicht länger aushält, stellt er seine Frau zur Rede und sie erklärt ihm, daß sie mit dem Priester niemand anders als ihn selbst gemeint hätte; sie wollte ihm bloß eins auswischen.

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8. Tag – Beste Geschichte (von Neifile):
Gulfardo verliebt sich in die Mailänderin Donna Ambruogia, die Frau seines Freundes Gasparruolo Cagastraccio, einem Kaufmann. Als er ihr seine Liebe gesteht, verlangt sie außer seiner Verschwiegenheit auch 200 Goldgulden. Die Forderung empört ihn freilich, mit der Liebe ist es aus, nur zum Schein spielt er weiter mit. Er borgt sich von Gasparruolo 200 Goldgulden, ehe dieser wieder auf Reisen geht, wie Ambruogia angekündigt hat. Als Strohwitwe ruft sie Gulfardo zu sich und vor einem Gefährten überreicht er ihr die verlangte Summe, woraufhin sie ihm alles gewährt. Sobald Gasparruolo zurückgekehrt ist, wird er von Gulfardo aufgesucht. In Anwesenheit seines Gefährten und Ambruogias erklärt er ihm, die Summe seiner Frau zurückerstattet zu haben, und Ambruogia muß dies widerwillig bestätigen.

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9. Tag – Beste Geschichte (von Panfilo):
Der junge Pinuccio und Niccolosa, die Tochter eines armen Mannes, der manchmal Gäste in seiner Hütte bewirtet, lieben einander. Um endlich auch miteinander schlafen zu können, lassen sich Pinuccio und sein Freund Adriano "auf der Durchreise" in ebendieser Hütte unterbringen. Die hat nur eine Kammer und drei Betten: die Freunde bekommen eines, die Tochter das zweite, die Eltern des Mädchens teilen sich das dritte und stellen daneben die Wiege, in dem ihr kleiner Sohn schläft. Als alle "schlafen", schleicht sich Pinuccio zu seiner Geliebten. Aber der böse Zufall (und die Enge des Raumes) bringt es mit sich, dass die Wiege, die allen zur Orientierung im Dunkeln dient, an einen anderen Platz gestellt wird. Die Mutter landet beim erfreuten Adriano, und der beglückte Pinuccio erzählt bei der Rückkehr in sein (vermeindliches) Bett dem Vater von Niccolosa, von den eben erfahrenen Freuden mit Niccolosa. Den daraufhin tobenden Vater beruhigen die Frau und Adriano mit zwei geschickten Lügen.

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10. Tag – Beste Geschichte (von Panfilo): In der Verkleidung eines Kaufmanns bereist Saladin einige christliche Länder, um deren Vorbereitungen zum Kreuzzug zu sehen. Unerkannt wird er dabei auch von Herrn Torello d’Istria nahe Pavia ehrenvoll bewirtet. Als der Kreuzzug beginnt, nimmt Torello daran teil und gerät in Gefangenschaft. Wegen seiner Kenntnisse über der Falknerei wird er zu Saladin gebracht, der ihn wiedererkennt und ehrt. Mehr noch: Da die Trauerfrist, die Torello seiner Frau vor seiner Abfahrt aufgetragen hat, fast abgelaufen ist, Torello in der Heimat als tot gilt und die Frau von Verwandten und Freiern zu einer erneuten Hochzeit gedrängt wird, bleibt Torello zu wenig Zeit für eine rechtzeitige Heimkehr auf dem üblichen Weg. Da greift Saladin auf einen unüblichen: ein erfahrener Nekromant befördert den schlafenden Torello in einer Nacht nach Pavia – nicht ohne ihn auch noch mit Schätzen ausgestattet zu haben. Der als Sarazene bekleidete Torello hat zwar einige Mühe, Aussehen und Herkunft zu erklären, aber schließlich feiern alle seine wunderbare Rückkehr mit einem großen Fest.

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18.11.2004 / 2014

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